Gnadenschuss

Wie ein wildwundes Tier auf dem kalten Weg der Menschheit
wie die Knochenspur im Wüstensand
mit gefesselten Händen wehrlos
wie ein abgenutzter Himmel der sich blau gibt aus purem Groll
aus Hass
wegen des Nebels
und der mahnenden Leichen auf den Brücken

Inmitten der kleinsten Dörfer
brennende Zeichen am Ende der Nacht
Inmitten der Gassen die sich mit Schreien füllen
und mit Stille am Ende der Nacht
Inmitten der Hochhäuser erbaut
mit dem Bruttogewinn des Todes
Inmitten der Krankenhäuser
inmitten der Zimmer und Bahnhofstoiletten
inmitten der Straße auf der die Furcht vor dem Dunkel sich drängt

Am Ausgang der Bars wo niemand alleingelassen wird
am Ausgang der Orte wo die Götter uns verließen
am Ausgang der wuchernden Autohäuser die niemand braucht
am Ausgang der Leichenzüge mit ihren schreckerstarrten Kadavern

Weil es keine Lösung gibt
weil wir erstürmt wurden und jetzt von Hängebrücken hängen
weil die Gewissheit größer ist als die Angst
weil die Asche unsere Hände bedeckt
weil die Splitter zerschossener Scheiben unsere Juwelen sind
weil die Leichen zu Zahlen auf den langen Listen der Lebenden werden
weil trockenes Blut den ganzen Asphalt bedeckt
weil es keinen Ausweg gibt

weil es keine Zuflucht gibt
weil es kein Morgen gibt
weil es kein Heute gibt
weil die Gier kein Ende kennt
weil ich niemals etwas hatte
weil ich niemals alles haben werde
weil es draußen kalt ist
weil es keine Namen gibt für die Dinge die wir verloren haben
weil es nichts bringt es laut zu denken

Wild werden
Wild träumen

 

Übersetzung: Birgit Kirberg, Johanna Schwering et al.

 

***

Tiro de gracia

Como fiera herida en el frío camino de los hombres
como el rastro de los huesos en el polvo del desierto
con las manos atadas impedidas para la defensa
como el cielo devastado que se anuncia azul por puro rencor
por el odio
por la bruma
por los puentes llenos de cuerpos colgando

En medio de las aldeas más pequeñas
que arden como señales al final de la noche
En medio de los callejones que se llenan de gritos
y de silencios al final de la noche
En medio de los altos edificios construidos
con la ganancia bruta de la muerte
En medio de los hospitales
en medio de las habitaciones y de los baños públicos
en medio de la calle que se atiborra por temor a lo oscuro

A la salida de los bares que nunca dejan solo a un cliente
a la salida de los lugares donde los dioses dejaron sus vestidos
a la salida de las ventas inmensas de automóviles para nadie
a la salida de los cortejos fúnebres y sus cadáveres de ojos abiertos

Porque no hay remedio
porque nos tomaron por asalto y ahora colgamos de puentes colgantes
porque la certeza es mayor que el miedo
porque la ceniza nos cubre las manos
porque los cristales reventados a balazos son nuestras joyas
porque los cuerpos son números que apilan los vivos
porque los manchas cubren todo el pavimento
porque no hay salida
porque no hay refugio
porque no hay mañana
porque no hay presente
porque no hay ganancia que baste
porque nunca tuve nada
porque nunca tendré todo
porque afuera hace frío
porque no hay nombres para los objetos que hemos perdido
porque de nada sirve pensarlo en voz alta

Devenir animal
Soñar animal

Gnadenschuss

 

Wie ein wildwundes Tier auf dem kalten Weg der Menschheit

wie die Knochenspur im Wüstensand

mit gefesselten Händen wehrlos

wie ein abgenutzter Himmel der sich blau gibt aus purem Groll

aus Hass

wegen des Nebels

und der mahnenden Leichen auf den Brücken

 

Inmitten der kleinsten Dörfer

brennende Zeichen am Ende der Nacht

Inmitten der Gassen die sich mit Schreien füllen

und mit Stille am Ende der Nacht

Inmitten der Hochhäuser erbaut

mit dem Bruttogewinn des Todes

Inmitten der Krankenhäuser

inmitten der Zimmer und Bahnhofstoiletten

inmitten der Straße auf der die Furcht vor dem Dunkel sich drängt

 

Am Ausgang der Bars wo niemand alleingelassen wird

am Ausgang der Orte wo die Götter uns verließen

am Ausgang der wuchernden Autohäuser die niemand braucht

am Ausgang der Leichenzüge mit ihren schreckerstarrten Kadavern

 

Weil es keine Lösung gibt

weil wir erstürmt wurden und jetzt von Hängebrücken hängen

weil die Gewissheit größer ist als die Angst

weil die Asche unsere Hände bedeckt

weil die Splitter zerschossener Scheiben unsere Juwelen sind

weil die Leichen zu Zahlen auf den langen Listen der Lebenden werden

weil trockenes Blut den ganzen Asphalt bedeckt

weil es keinen Ausweg gibt

weil es keine Zuflucht gibt

weil es kein Morgen gibt

weil es kein Heute gibt

weil die Gier kein Ende kennt

weil ich niemals etwas hatte

weil ich niemals alles haben werde

weil es draußen kalt ist

weil es keine Namen gibt für die Dinge die wir verloren haben

weil es nichts bringt es laut zu denken

 

Wild werden

 

Wild träumen