From Lima with Love

Rike Bolte schreibt aus Lima über leuchtende Städte, und den Besuch bei Roxana Crisólogo

Lima la horrible, so der Titel des beruehmten Romans von Sebastián Salazar Bondy. Ich begebe mich von Piura im Norden Perus nach Lima, und habe diesen Titel deutlich im Kopf. Ich stelle mich auf eine Schreckliche ein. Roxana Crisólogo erwartet mich, wir treffen uns, um die Übersetzungen ihrer Gedichte zu besprechen. Ich werde sie später bitten, mir Lima die Schreckliche zu zeigen.

Tatsächlich ist die große Stadt am Pazifik von der berühmten Dunsthaube bedeckt, tagelang. Der Pazifik aber, an dem Roxana wohnt, ist eine blaugrüne Scheibe, an die sich die Stadt mit Vierteln wie Miraflores und Barranco (hier die Residenz Vargas Llosas) lehnt, in der sich die Stadt gleißend bricht. Aus Ecuador bin ich durch die Wüste gekommen. Auch Lima ist Wüste. Roxana schreibt in einem Gedicht ihres neuen Bandes Ludy D: „[…] aparcó [su cuerpo] en los insondables desiertos de lima“ Hier sind sie, diese Wüsten, im Lima, wie ich es sehe, aber ihr Hinterland ist die grünblaue Scheibe, in die sich Abends eine in Watte gerahmte, pfirsichfarbene Sonne wirft.

Wenn nach dem Sonnenuntergang die abrupte Schwärze über Lima kommt, leuchtet die Stadt auf. Am imposanten Hang zum Meer flimmern die Lampions der glamourösen Vierteln, im Zentrum der Stadt ist es jede Lichtreklame, die es in Quito nicht gibt. Doch ein jedes Lichwesen ist schrecklich, und der Schrecken in Lima ist geschichtet. Denn vom Zentrum fort zu den Rändern Limas glimmen die Augen der Cerros und zeigen die prekären Verhältnisse der Viertel an, in den es kein Wasser gibt – Sandtürme, in denen die Glühwürmer schwimmen. Roxana schreibt in ihrem Gedicht El Agustino: „lo que yo llamo cielo y es tierra/ y todas las noches ocupa un espacio distinto al de los cielos/ y se extiende sobre un paño de noche elegante/ y vive como las fogatas de los castillos conquistados allá arriba/ y deja escapar anillos de luz simples bocanadas de gente/ innumerables miles no podráa contar cuántas veces / me perdí en el cielo.” Der Agustino ist einer jener aus Sand gewachsenen Berge Limas.

Roxana ist ohne Wasser in Cajamarca, im Norden Perus, aufgewachsen: “si hubiera habido agua para lavar/ la melena sedosa del sol/ […] es verdad/ no había agua para regar un jardín el desierto era aquella humanidad/ y el polvo/ que mi madre empuja con una escoba”. Heute zeigt sie mir die nicht gesprengten Ausläufer Limas; Roxana lebt erst seit vier Jahren in der peruanischen Hauptstadt.

An meinem letzten Abend in Lima wird Roxana zu einer Lesung eingeladen. Sie findet im Rahmen eines Festes statt, dessen Einnahmen durch Eintrittsgelder der gerade und in prekären Verhältnissen geborene Enkeltochter des Dichters Domingo de Ramos zugute kommen soll. Das Fest findet in einem labyrinthischen Haus mit gesprengten Gärten statt, ich erfahre nicht, wer es bewohnt, Dichter und Denker Limas verlieren sich auf einem Dunst austoßenden englischen Rasen. Nachdem eine geliftete Dame Roxanas Agustino-Gedicht libidinös seziert hat, verlassen wir das Fest. Wir treffen uns mit Miguel Ildefonso in einer Peña und halten uns dort am Pisco fest. Draußen in der Kälte steigt Lima in vielfachen Richtungen auf.

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